Consent? Ja, bitte!

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Blogparade „Konsens beim Sex“ von Kiki (@bettflusterin) entstanden. Vielen Dank fürs Anstoßen!

Consent war für mich lange Zeit ein sehr eindimensionales Übereinkommen. Vor allem im Bezug auf sexuelle Kontakte hieß das für mich: Man trifft sich mit Menschen, die ähnliche Absichten oder Interessen hegen und wenn die Chemie stimmt, dann sagt man eben ja und reitet gemeinsam in den Sonnenuntergang oder irgendwie so. All is well that ends with a “yes”. Inzwischen weiß ich es besser, but it’s been quite the experience. Als ich das erste Mal mit P Sex hatte, hat er mich sehr direkt gefragt: „Was möchtest du? Was gefällt dir?“ Im ersten Moment war ich mit diesen seemingly simple questions überfordert. Ficken wollte ich. Das war auch das, was wir in dem Moment taten. Wie das genau aussah, hatte sich bisher immer non-verbal gefügt. Manchmal besser, manchmal eben schlechter. Die Frage, was ich wolle, hat mich in dem Moment, in dem sie im Raum stand, überfordert, weil ich es vorher nie hinterfragt hatte. Nie überlegt hatte, was mir besonders gefällt und wie ich das meinen Partner*innen gegenüber artikuliere.

All is well that ends with a “yes”.

Auch wenn ich mich heute inzwischen als nicht-binär identifiziere und auch öffentlich präsentiere, haben meine Eltern mich dennoch als weibliche Person erzogen. Das ist eine wertfreie Aussage. Wir alle wissen aber, wie Weiblichkeit in den letzten Jahrzehnten gesellschaftlich konnotiert war und häufig noch ist. Frauen sollen passiv sein, Haushaltsaufgaben übernehmen, Kinder austragen und erziehen, aber ansonsten still, am besten völlig willenlos sein. Don’t get me wrong: I believe I come from a family of strong and independent women. Das heißt aber nicht, dass nicht auch die mit bestimmten Erwartungen an ihre Rolle in der Gesellschaft aufgewachsen sind und an ihre Nachkommen weitergegeben haben. Das schließt implizite Verhaltenserwartungen, an weiblich gelesene Personen, in Bezug auf consent ein.

Wie viel Stress diese Diskussion bereitet, sehen wir an den öffentlichen Diskursen darüber. Vorhaben, in denen potentielle Sexualpartner*innen beispielsweise eine App verwenden sollen, um beidseitige Zustimmung zum geplanten Beischlaf vertraglich abzusichern, werden belächelt oder als irre Übertreibung abgetan. In Dänemark gibt es beispielsweise seit Ende Januar die App „iConsent“ mit der Sexualpartner*innen innerhalb weniger Sekunden „für einen Geschlechtsverkehr“ über ihr Smartphone zustimmen können. Und während diese Maßnahme auf den ersten Blick extrem scheint, geht sie meiner Meinung nach in die richtige Richtung. Sie zwingt uns dazu, uns vor körperlichen Intimitäten, unabhängig von unserem Verhältnis zueinander, explizit darüber auszutauschen, was wir wollen und – viel wichtiger – was nicht. Consent einholen/klären scheint für viele eine zusätzliche Hürde zu sein, die sie einfach nicht sein muss, wenn wir damit anfangen, unsere Grenzen und unser Verlangen explizit offen anzusprechen und lernen, dass es allen Beteiligten zusteht, genau das zu tun, und das zu jeder Zeit. Consent ist mehr als eine basic necessity (ficken? Ja/nein?). Zu consent gehören auch die Rahmenbedingungen: Der Ort, der Worttausch, bestimmte Praktiken, die Verwendung bestimmter Hilfsmittel und Toys.

In dem Zusammenhang möchte ich kurz auf das Konzept „enthusiastic consent“ hinweisen, ein Konzept, das 2009 mit der Veröffentlichung des feminisitischen Sammelbandes Yes Means Yes von Jaclyn Friedman und Jessica Valenti popularisiert wurde. Im Prinzip geht es dabei darum, dass sexuelle Interaktionen expliziten verbal consent erfordern. Nicht nur stillschweigende Zustimmung. Nicht nur einmal, sondern ein verbales, enthusiastisches “ja!” auch along the way and in the context of different practices. Leser*innen, die sich in kinky- und/oder BDSM-spaces bewegen, ist das Konzept sicher nicht neu. Wer nach SSC oder RACK Philosophie spielt, weiß dass die Zusage zu einer Praktik nicht automatisch eine Zusage zu einer anderen ist.

Mein primärer Partner (P) ist gleichzeitig mein Dom und seit November letzten Jahres praktizieren wir EPE (Erotic Power Exchange). Zwar hat er die volle Kontrolle über meine Orgasmen und kann sich „an mir bedienen“ wann ihm danach ist, aber eben mit den Einschränkungen, die mit enthusiastic consent einher gehen. Wir haben gemeinsam allgemeine Rahmenbedingungen abgesteckt. Manche Dinge liegen immer im Rahmen des Möglichen (e.g. clitoral stimulation), andere sind als hard-limits definiert (e.g. knife-play), wiederrum andere sind an gewisse Bedingungen geknüpft (e.g. no gagging and cuffing at the same time). Diese Grenzen sind nicht in Stein gemeiselt, aber Sie sind nur im gemeinsamen Gespräch und einvernehmlich verschiebbar. Selbst wenn mir im Moment selbst etwas nicht passt, habe ich die Möglichkeit mein Einverständnis zurückzuziehen.

In gemeinsamem Einverständnis über diese Dinge spielt und vögelt es sich schöner.

Es sind kleine Dinge die enthusiastic consent fördern können: Eine Nachfrage, ob man heute auf etwas bestimmtes Lust hat, ob sich das, was gerade passiert, gut anfühlt oder ob man etwas anders machen kann, damit sich alle Beteiligten wohler fühlen. Enthusiatic consent is always an ongoing process. Deswegen muss es klar sein, dass es allen Beteiligten freisteht jederzeit die Zustimmung zurückzuziehen. Ohne Wenn und Aber. In gemeinsamem Einverständnis über diese Dinge spielt und vögelt es sich schöner. Für alle.

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